Das Boot ist für 7:30 Uhr morgens gebucht. Unter einer erstaunlichen Milchstrasse mache ich die letzte sorgfältige Kontrolle der Ausrüstung. Neue
Fliegenschnur, neues Vorfach, 150 m. 30 Pfund Backing und Rolle mit kraftvoller Bremse.
Es gibt viele Flats auf der Insel, die zu Fuß erreichbar sind. Aber nach dieser langen Reise bis hierher, möchte ich die
Mangroven und Lagunen zuerst mit einem Guide erkunden.
Als ich den Wagen am Strand vor dem Steg parke ist ein Boot bereits verankert. Der Guide wartet schon. Ein Mann von wenigen Worten und
viel Sinn, den ich gleich schätze. Wir laden die Ausrüstung
und, angetrieben von einem 150 PS Aussenboardmotor, fahren wir auf das offene Meer.
Wir betreten eine erste Lagune. Der Motor geht aus und der Guide fängt an zu staken. Wir gleiten auf opaleszenten Feldern von Thalassia testudinum und
türkisen Sandbänken. Es gibt viele Fische zu sehen in der Stille des Morgens. Ich erkenne einen Ammenhai, als der Guide das Get-Ready-Signal
gibt. Fünfzehn Meter Schnur
liegen an meinen Füßen. Ein Bonefish Schwarm nähert sich an 2 Uhr. Doch er ist noch zu weit weg um zu werfen. Zeit zu werfen,
jetzt .. zu nah! Als die Fliege das Wasser trifft erschrecken sich die Fische und in einem
Augenblick sind sie fort. Was für eine verlorene Chance!
Es gibt keine Zeit zu bereuen. Nach der Inspektion meines Fliegenkastens, wählt der Guide ein kleines Muster auf einem 8 Haken. Klein für die bahamischen
Standards, aber er ist der Experte. Ich habe noch die gescheiterte Chance vor den Augen, als ein großer Schwarm Bonefish in unsere Richtung schwimmt. Die Fische
nähern sich schnell, in einer Art militärischer Formation, die mich an die Hubschrauber-Szene des Films
'Apokalypse Now' erinnert. Gehoben von dem Anblick, als ich mich für den Wurf vorbereite, kann ich
Wagners Ritt der Walküren fast hören.
Der Wurf landet 15 Meter vom Boot entfernt, etwa 10 Meter vor dem Schwarm. Die Fliege sinkt und sobald die Fische sie erreichen, fange ich
mit dem Stripping an. Ich sehe den Biss nicht, aber ich fühle ihn.
Streik! Was in den nächsten Sekunden passiert, ist reiner Wahnsinn. Die Rolle beginnt sich mit der Lichtgeschwindigkeit zu drehen. Keine Möglichkeit, die Ausgabe
des Backing zu stoppen. Der Lauf verlangsamt sich nach ca. 70 Metern.
Ich spule ein paar Meter Schnur zurück, bevor er den 2. Fluchtversuch beginnt. Diesmal geht er nicht so weit, aber die Kraft ist so stark wie bei der ersten Flucht. Es
gibt noch 2 weitere Fluchten in einem Diminuendo, bevor ich den Fisch sehen kann.
Ich steige aus dem Boot, um den Bonefish im flachen Wasser zu befreien. Fantastischer Fisch, fast die Länge eines Armes. Von dem Haken befreit, schwimmt er
wieder in sein Element zurück, als ob nichts passiert wäre.
Entspannt nach dem ersten Fang, pirsche ich eine Gruppe von tailing Bonefish, die im flachen Wasser jagen. Aber sie scheinen etwas gespürt zu haben
und nach einer kurzen Weile schwimmen sie weg. Zeit ein neues Gebiet zu erkunden.
Wir gleiten jetzt vor einen Strand, der eine Postkarte sein könnte. Es gibt eine breite trübe Sandwolke, etwa 50 Meter lang, in dem
Kristall-Türkis leuchtenden Wasser. Es handelt sich um eine "Milk": Das Wasser ist trüb wegen des vielen "Grasens". Ein Schwarm Bonefish muss irgendwo in der Nähe sein.
Ich kann den Bonefish nicht sehen, aber der Guide hat ihn im Visir und ruft nach einem Wurf an 11 Uhr. "Warte, jetzt strippen, langsam" und
..pam! Ein Bone ist an dem Haken und wie ein Zug zieht die Schnur von meiner surrenden Rolle. Der große
Bonefish nahm eine Gotcha-Fliege auf Haken 4. Ein Muster, das ein Must-have für die Bahamas ist.
Wir bleiben eine Weile in den großzügigen Flats und ich fange noch ein paar Bonefish, bevor wir den nächsten Ort anpeilen.
Ein Traumbonefish, bevor er freigelassen wird.
Die nächste Haltestelle ist eine Lagune mit einer Mischung aus Schildkrötengras und blauen Sandflecken. Ein schöner Bonefish beißt und seine Flucht
überrascht mich. In der Schnur an meinen Füßen bildet sich ein Knoten mit einer 20 cm langen Schlaufe, die durch die Rutenringe fliegt zusammen
mit einigen Dutzenden Metern Backing ..
und wenn der Knoten die Situation kompliziert genug macht, wird ein neuer Höhepunkt des Dramas erreicht: ein Hai jagt nun meinen
Bonefish, der sein Leben mit einem noch mehr verzweifelten Flug zu retten versucht.
Aber der Bone muss einen Schutzengel haben: während der Haifisch von einem
anderen kleineren Bonefish abgelenkt wurde, gelang es mir, die Schnur mit Hilfe des Guides manuell zurückzuholen.
Es ist noch etwas Arbeit den Haken aus seinem Maul zu entfernen, bevor der Fisch freigelassen wird. Dann ist es Zeit, den Knoten in der Schnur zu entknoten, der
sich im Kampf festgezurrt hatte (die nagelneue Schnur wird an der Knotenstelle drei Tage danach kapputt gehen).
Die Bonefish der Bahamas sind groß und zahlreich. Am Ende des Tages habe ich das Gefühl, dass ich genug Fische gefangen und tolle Orte gesehen habe.
Es ist Zeit wieder zu meinem Strand zu gehen und die Flats in der Gegend zu beangeln. Dieses Mal zu Fuß, aber das ist eine andere Geschichte .. demnächst auf
Euroflyangler.com: Bonefish Do-it-yourself.