Derjenige EUROFLYANGLER, der aus südlicheren - und damit wärmeren - Teilen unseres schönen Kontinents stammt, beneidet
uns "Nordlichter" nicht. Haben wir doch - und das nicht nur als Fliegenfischer - im nördlichen Teil Deutschlands, Schleswig Holstein, nichts
zu lachen. Der Südländer wird als erstes das scheussliche Wetter anführen - zu Recht. Dann sogleich die Abwesenheit von herrlichen Forellen-
und Äschenflüssen in Reichweite - zu Unrecht! Wie dieser Artikel beweisen wird! Denn neben dem einen oder anderen fischbaren Fluss in
Schleswig-Holstein selbst liegt das Eldorado der Dänischen Auen unmittelbar vor unserer Haustür. Ein
Paradebeispiel dieser Spezies, die Kongaå, möchte ich der geneigten Leserschaft hier vorstellen….. Also, Kollegen aus dem Süden - warm anziehen und weiterlesen!
Nach ca. zwei Stunden ohne Ergebnis denke ich: "Wie das beim Nassfischen so ist - viel Arbeit, wenig Action" - und
fange an zu phantasieren. Ich stelle mir vor, ich sei in Norwegen, an einem wenig bekannten, dafür fischreichen Lachsfluss. Die
Phantasie beginnt, mit der Realität zu verschwimmen, als ich einen Kongaå-Abschnitt komme, wo das Wasser, durch
grosse Steine am Grund aufgewirbelt, in einer langgezogenen Rausche dahintost. Lachswasser! Schnell ist eine "Akroyd", gebunden
auf 10 cm langen Waddington Shank, an meiner zwar kräftigen, jedoch nicht ganz adäquaten 6-er Rute montiert. Wurf um Wurf lege
ich die schwimmende Keulenschnur schräg stromab und lasse die gewaltige
Fliege mit der Strömung herumschwingen. Nach kurzer Zeit geht ein Ruck durch das Gerät - Lachs! Die Phantasie ist Wirklichkeit…… …doch nicht ganz.
Als ich den Fisch nach diversen erfolglosen Ausbruchversuchen in die rettende, reissende Strömung tatsächlich keschern kann, traue
ich meinen Augen kaum: eine Bachforelle! Feist und kräftig, so dass man sie für einen frischen Grils halten möchte - aber
eben doch eine Bachforelle. Und das auf diese Fliege! Sie muss die Waddington für ein Beutefischchen in der Strömung gehalten haben, ansonsten
ist die Kamikaze-Aktion kaum verständlich. Mein Bruder, der herbeieilt, glaubt mir nicht. Bis
heute ist er der Ansicht, ich hätte die ‚Akroyd" nachträglich im Maulwinkel der Forelle platziert, um ihn zu foppen…
Zeitsprung. Drei Jahre später sind wir wieder an der Kongaä, diesmal an einem anderen Abschnitt, weiter stromauf, bei dem
Dorf Foldingbrø. Es ist Ende September. Das Wasser ist hoch, es hatte viel geregnet. Zum Gluck hat die Kongaå trotz des hohen
Wasserstandes nichts an Klarheit eingebüsst, sodass wir wieder auf erfolgreiches Fischen hoffen dürfen. Diesmal - ich hatte
meine Lektion von vor drei Jahren nicht vergessen - montiere ich einen Forellen-Streamer ("Black Ghost" in der Bucktail-Version - mein
Favorit. Auch wenn mir bisher niemand erklären konnte, wieso dieses er "black" heisst, wenn er doch eine weisse Schwinge hat). Habe
ich doch vor drei Jahren gelernt, dass die Kongaå grosse, gefrässige Bachforellen beherbergt. Ich lasse den Streamer querab dicht
unter der Oberfläche langzockeln. Im glasklaren Wasser kann ich seinen Kurs wunderbar verfolgen. Plötzlich : ein enormer Schatten
löst sich vom Grund der Au und steigt im Zeitlupentempo zur Fliege empor, beisst an - bleibt jedoch nicht hängen! Noch mal dieselbe
Stelle angeworfen - und das Spiel wiederholt sich. Und noch mal. Entnervt - und ob der Grösse des Schattens skeptisch geworden, ob
das tatsächlich eine Bachforelle ist - montiere ich eine 7 cm lange "Sunray Shadow" Tubenfliege - wiederum aus bester Norwegen-Erfahrung. Es
klappt! Diesmal hägt er, und
kämpft wie wild (ist er schliesslich ja auch). Nach ca. 15-minütigem Drill können wir mit meinem Bruder eine 65 cm lange…. na?...Meerforelle keschern…noch Fragen?
Was lehrt uns diese Begebenheit? Dass man an der Kongaå jederzeit auf (angenehme) Überraschungen gefasst sein muss. Und dass man sich am besten
auf Bachforellen einstellt, wenn man
eine Meerforelle erwischen will. Und umgekehrt. Nur die Kongaå-Äschen kriegt man so, wie es sich gehört: auf Äschen fischend….aber davon ein andermal.
P.S. Für nahere Infos & Tipps - bitte den Autor über paul@euroflyangler.com kontaktieren